Bild: Alles reingehauen und doch verloren: Jonas Schneider.
Bad Endorf eiskalt, Buchbachs U23 zu harmlos
TSV Buchbach U23 – TSV Bad Endorf 0:2 (0:1)
Manchmal erzählt ein Ergebnis nur die halbe Wahrheit. Das 0:2 der Buchbacher U23 gegen den TSV Bad Endorf liest sich nüchtern wie eine klare Heimniederlage – auf dem Platz aber war es ein Abend, der aus Buchbacher Sicht vor allem eines hinterließ: das Gefühl, deutlich mehr verdient gehabt zu haben. Bei Dauerregen, nach kurzfristiger Verlegung auf den Kunstrasen, zeigte die junge Rot-Weiße Mannschaft Herz, Haltung und bemerkenswerten Willen. Nur dort, wo Fußball gnadenlos wird, fehlte die letzte Konsequenz: im Strafraum.
Eigentlich begann dieser Abend so, wie man ihn sich in Buchbach wünschen durfte. Lorenz Grill setzte bereits in der zweiten Minute mit einem Freistoß ein erstes Zeichen, Bad Endorfs Torhüter Tobias Pappenberger musste zur Ecke klären. Buchbach war präsent, mutig und sofort bereit, diesem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Umso ärgerlicher war der Bruch in der elften Minute: Jakob Trebesius nutzte eine kurze Buchbacher Unachtsamkeit eiskalt aus. Während die Hausherren auf einen Pfiff von Schiedsrichter Felix Rath warteten, spielte Bad Endorf weiter – und Buchbach musste plötzlich einem Rückstand hinterherlaufen, der sich vermeidbar anfühlte.
Genau darin lag aber auch die stärkste Botschaft dieses Spiels: Buchbach zerfiel nicht. Die Mannschaft nahm den Rückschlag an, richtete sich auf und suchte weiter den Weg nach vorne. Julian Rabenseifner servierte einen Freistoß gefühlvoll in den Strafraum, Spielertrainer Stefan Perovic setzte den Kopfball knapp rechts vorbei (19.). Wenig später fand eine Flanke von Grill Kapitän Johannes Schmaußer, dessen Abschluss ebenfalls nur knapp am Tor vorbeiging (28.). Kurz vor der Pause wurde Rabenseifners Schuss aus kurzer Distanz zur Ecke geblockt (43.). Es waren keine Zufallsaktionen, sondern Szenen, die zeigten: Buchbach war im Spiel – nur nicht auf der Anzeigetafel.
Der Pausenstand fühlte sich deshalb weniger wie ein verdienter Rückstand an, sondern eher wie eine Mahnung. Wer vorne nicht klar genug wird, wird hinten irgendwann bestraft. Perovic reagierte mit den Wechseln von Yannik Radegast und Robert Straßer für Luan Selmani und Niklas Bürger (46.) – und Buchbach lieferte sofort die passende Antwort. Keine 30 Sekunden nach Wiederanpfiff hatte Melvin Egge die große Möglichkeit zum Ausgleich, doch Pappenberger war erneut zur Stelle (46.). Diese Szene stand sinnbildlich für den gesamten Abend: Buchbach erarbeitete sich Chancen, Bad Endorf hatte den Torhüter und später die Effizienz auf seiner Seite.
In der besten Buchbacher Phase hätte dieses Spiel kippen können, vielleicht sogar müssen. Straßer zwang Pappenberger in der 52. Minute zur nächsten Parade, Daniel Huber köpfte nach einer Grill-Ecke am Ausgleich vorbei (58.), Grill selbst scheiterte wenig später erneut am starken Gäste-Keeper (63.). Buchbach drückte, Buchbach wollte, Buchbach glaubte daran. Doch Fußball ist nicht immer gerecht – und an diesem Abend schon gar nicht gnädig. Ein weiter Abschlag von Pappenberger landete bei Trebesius, der erneut goldrichtig stand und zum 0:2 vollendete (73.). Zwei Treffer aus den entscheidenden Momenten, während Buchbach aus seinen Möglichkeiten keinen Ertrag zog: brutaler kann Effizienz kaum aussehen.
Und trotzdem: Wer nur auf das Resultat blickt, wird dieser Buchbacher Leistung nicht gerecht. Nach dem zweiten Gegentor hätte die Partie innerlich entschieden sein können, doch die jungen Rot-Weißen liefen weiter an. Perovic setzte einen Freistoß aus guter Position über das Tor (79.), Straßer blieb in der Schlussphase nochmals in der Bad Endorfer Defensive hängen (85.). Es war kein perfekter Auftritt, aber einer mit Charakter. Einer, der weh tut, weil er nicht belohnt wurde. Einer, aus dem Buchbach trotz Niederlage mehr mitnehmen darf als null Punkte.
Perovic brachte die Niederlage nach dem Abpfiff schonungslos auf den Punkt: „An der Einstellung hat es nicht gelegen. Wir wollten Fußball spielen, bis zum Sechzehner war vieles ordentlich – aber dort, wo Spiele entschieden werden, waren wir nicht konsequent genug. Wir haben die Schwachstellen von Bad Endorf nicht ausgenutzt. Und dann ist Fußball brutal einfach: Wir lassen unsere Chancen liegen, der Gegner macht aus zwei Möglichkeiten zwei Tore.“ Genau darin liegt die bittere Wahrheit dieses Abends: Buchbach hatte Haltung, Leidenschaft und Spielanteile – Bad Endorf hatte die Tore. Das ist ungerecht im Gefühl, aber logisch im Ergebnis. Denn Fußball verteilt keine Fleißpunkte für Moral, Mut oder schöne Ansätze. Wer Spiele gewinnen will, muss sie in den entscheidenden Momenten auch beenden. Für die Buchbacher U23 bleibt deshalb eine klare Lehre: Leidenschaft macht eine Mannschaft lebendig – Konsequenz macht sie erfolgreich.
TSV Buchbach U23: Zankl, Huber, Perovic, Hagl, Schneider, Schmaußer (81. Lentfellner), Egge, Rabenseifner, Selmani (46. Radegast), Grill, Bürger (46. Straßer), Trainer: Perovic
TSV Bad Endorf: Pappenberger, Brandl, Südemer (62. Berchthold), Vokrri, Trebesius, Aicher, Trch, Mühlnickel, Lindner, Settele (77. Streicher), Krug, Trainer: Schmid
Tore: 0:1 (11. Trebesius), 0:2 (73. Trebesius)
Gelbe Karten: Bürger, Egge / Südemer, Trch, Settele
Schiedsrichter: Felix Rath (SV DJK Kolbermoor)
Zuschauer: 50
Foto: © TSV Buchbach & Text: © Christian Schubert