Bild: Nach langer Zeit wieder mit dabei: Julian Rabenseifner (vorn).
Erst gezittert, dann gejubelt: Buchbachs U23 holt den ersten Dreier
TSV Buchbach U23 – TV Feldkirchen 3:2 (2:0)
Das war nichts für schwache Nerven – aber genau die Art von Abend, an dem eine junge Mannschaft wachsen kann: Die U23 des TSV Buchbach hat ihre Heimspielpremiere in der Kreisliga Inn/Salzach 1 mit einem emotionalen 3:2-Sieg gegen den TV Feldkirchen gekrönt. Nach einer starken ersten Halbzeit, einem bitteren Rückschlag nach der Pause und einer dramatischen Schlussphase belohnten sich die jungen Rot-Weißen in der 89. Minute doch noch mit dem ersten Dreier der Saison.
Schon vor dem Anpfiff lag besondere Spannung in der Luft. Nach dem 1:1 zum Auftakt beim SV Schloßberg-Stephanskirchen wollte Buchbach vor eigenem Publikum nachlegen – und zugleich zeigen, dass die deutliche 1:5-Niederlage aus dem letzten Duell mit Feldkirchen abgehakt ist. Die Mannschaft von Spielertrainer Stefan Perovic begann entsprechend entschlossen. Niklas Bürger setzte früh das erste Buchbacher Ausrufezeichen, eroberte im Mittelfeld den Ball und zog sofort ab. Sein Schuss strich knapp über das Tor (2.).
Die Buchbacher waren sofort drin, griffig in den Zweikämpfen und mutig im Spiel nach vorne. Nach einem Foul an Julian Rabenseifner zeigte Schiedsrichter Lukas Liebler auf den Punkt. Bürger übernahm Verantwortung, doch Feldkirchens Torhüter Marius Fiedel parierte den Strafstoß (5.). Ein Dämpfer? Kurz ja. Ein Bruch? Keineswegs. Die Gastgeber blieben am Drücker. Nach einem langen Ball von Jonas Schneider tauchte Lorenz Grill frei vor dem Tor auf, setzte seinen Abschluss aber knapp vorbei (12.).
Feldkirchen kam in dieser Phase kaum zur Entfaltung. Die Gäste fanden offensiv nur dann statt, wenn Buchbach selbst einmal unsauber wurde. Maximilian Schnitzlbaumer zielte aus der Distanz deutlich zu hoch (18.). Auf der anderen Seite blieb der TSV gefährlich: Eine Ecke von Grill fand den Kopf von Perovic, doch der Ball klatschte an den Pfosten (22.). Buchbach drängte, Buchbach glaubte an die Führung – und das Stadion spürte, dass hier etwas möglich war.
In der 29. Minute fiel dann der verdiente Lohn für den energischen Auftritt. Wieder wurde Bürger mit einem langen Ball gesucht, Fiedel kam heraus, fand beim Klärungsversuch aber keinen Zugriff. Bürger blieb cool und schob zum 1:0 ein. Der Treffer gab den Rot-Weißen zusätzlich Rückenwind. Buchbach spielte weiter mit Tempo, Überzeugung und Zug zum Tor. Als Grill von außen flankte, stand Bürger erneut goldrichtig und erhöhte eiskalt auf 2:0 (36.). Die Heimelf hatte den Gegner im Griff – und die passende Antwort auf die schmerzhafte Erinnerung aus dem letzten Duell längst auf dem Platz gegeben.
Kurz vor der Pause wurde es noch einmal hitzig. Nach einem Foul an Luan Selmani blieb dem souverän leitenden Schiedsrichter Liebler keine andere Wahl: Feldkirchens Kapitän Franz Voglrieder sah die Rote Karte, die Gäste mussten fortan in Unterzahl weiterspielen (41.). Den fälligen Freistoß von Perovic entschärfte Fiedel mit einer starken Parade (43.). Mit einer hochverdienten 2:0-Führung ging Buchbach in die Kabine – und doch sollte dieser Abend noch einmal ganz anders kippen.
Denn nach dem Seitenwechsel verlor Buchbach den Faden. Perovic hatte seine Mannschaft in der Pause zwar ausdrücklich gewarnt, nicht nachzulassen, doch die Rot-Weißen wirkten plötzlich zu passiv. Feldkirchen, eigentlich in Unterzahl, witterte seine Chance. In der 53. Minute verkürzte Stefan Weber auf 2:1 – und auf einmal war die scheinbar sichere Buchbacher Führung wieder auf wackligen Beinen.
Der TSV brauchte nun Geduld, Nervenstärke und wieder mehr Klarheit im eigenen Spiel. Zwei Abschlüsse von Luan Selmani waren bis zur Mitte der zweiten Halbzeit die wenigen offensiven Lebenszeichen (65./66.). Feldkirchen blieb dran – und nutzte die nächste Buchbacher Schwächephase eiskalt. Weber traf in der 74. Minute erneut und stellte auf 2:2. Aus einem kontrollierten Heimspiel war ein echter Charaktertest geworden.
Perovic war der Ärger deutlich anzumerken. Lautstark forderte er von seiner Mannschaft wieder Mut, Wille und Konsequenz ein. Und diese Buchbacher U23 zeigte, dass sie Rückschläge wegstecken kann. Yannik Radegast hatte die erneute Führung auf dem Fuß, scheiterte aber an Fiedel. Auch Robert Straßer fand im Feldkirchener Schlussmann seinen Meister (80.). Die Minuten liefen davon, die Spannung stieg – doch Buchbach gab dieses Spiel nicht her. In der 89. Minute setzte sich Marc Galizki-Seisenberger stark durch, zog von der Seite in Richtung Tor und vollendete zum 3:2. Der Jubel auf Buchbacher Seite war die pure Erleichterung: spät, laut und hochverdient.
Nach dem Abpfiff ordnete Trainer Stefan Perovic den Buchbacher Auftritt ehrlich ein: „Meine Mannschaft hat die Taktik und Lösungskonzepte, die wir in dieser Woche einstudiert haben, in der ersten Halbzeit gut umgesetzt. In der zweiten Halbzeit haben wir mental leider stark nachgelassen und wieder nicht gut genug verteidigt. Alles in allem war es aber heute ein höchst verdienter Heimsieg für uns.“ Für die U23 bleibt damit ein Abend mit wichtigen Erkenntnissen: Die erste Halbzeit zeigte, welches Potenzial in dieser jungen Mannschaft steckt. Die zweite Halbzeit mahnte zur Wachsamkeit. Und der späte Siegtreffer bewies, dass Buchbachs U23 auch dann noch an sich glaubt, wenn ein Spiel zu kippen droht.
TSV Buchbach U23: Aygören, Hagl, Perovic, Schneider (69. Marketsmüller), Huber, Schmaußer, Egge (46. Radegast), Rabenseifner (57. Egge), Selmani, Grill (42. Galizki-Seisenberger), Bürger (66. Straßer), Trainer: Perovic
TV Feldkirchen: Fiedel, Planitzer (46. Weber), Litzlfelder (66. Oberloher, 82. Schnitzlbaumer)), Raab (44. Kauz), Schäpe, Gorlik (37. Elenz), Voglrieder, Petzinger, Frei, Schnitzlbaumer (69. Raab), Wagener (75. Huber, 89. Wagener)), Trainer: Ilchmann
Tore: 1:0 (29. Bürger), 2:0 (36. Bürger), 2:1 (53. Weber), 2:2 (74. Weber), 3:2 (89. Galizki-Seisenberger)
Gelbe Karten: Huber, Schmaußer, Rabenseifner / Raab, Schäpe
Rote Karte: Voglrieder (TV Feldkirchen)
Schiedsrichter: Lukas Liebler (TuS Bad Aibling)
Zuschauer: 80
Foto: © TSV Buchbach & Text: © Christian Schubert